INTERVIEW MIT LÉA WEGMANN
Wann war dein erster Kontakt mit dem Theater?

Léa Wegmann: In der 1. Klasse haben wir „Die Vogelhochzeit“ aufgeführt und ich durfte das Vogelbaby spielen. Das hat mir so gut gefallen, dass mich meine Mutter in der Kindertheatergruppe von Meggy Schäfer angemeldet hat. Ich weiß noch, dass ich dann als Königin von Aquanien im Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ auf einem Thron saß – den hatte damals schon Karin Rudolf erschaffen – und das erste Mal diesen magischen Zustand erlebt habe. Ich habe gespürt, wie der Funke überspringt und ich das Publikum begeistern kann. Und da habe ich den Entschluss gefasst: Ich will Schauspielerin werden!

Deine ersten Auftritte hattest du dann bei den Weihnachtsmärchen von Creme Frech. Wie ging’s dann weiter?

L. W.: Ja, ich erinnere mich gern an meine Creme-Frech-Zeit, an meine Rollen als Anneliese bei „Peterchens Mondfahrt“, als Gerda bei der „Schneekönigin“ und als das „Sams“. Da war bis kurz vor der Premiere nicht klar, ob ich spielen kann. Ich hatte eine schwere Lebensmittelvergiftung und der Chefarzt aus der Kinderklinik erlaubte mir den Auftritt nur unter der Voraussetzung, dass er im Publikum sitzen und mich – im Notfall – versorgen kann. Aber es ging alles gut! Danach spielte ich bei einigen Inszenierungen des Kultursommers, unter anderem in der „Kleine Horrorladen“ mit.

Du hast ja gleich zwei renommierte Schauspielschulen in zwei Ländern besucht, um deinen beruflichen Traum zu verwirklichen.

Bei der ersten hatte meine französische Großcousine – selbst Schauspielerin – ihre Hand im Spiel. Sie empfahl mir, mich an der Schauspielschule „Cours Florent“ in Paris zu bewerben. Gesagt, getan. Nach drei tollen Jahren interessierte mich aber, wie es in Deutschland läuft. Hierzulande ist die Herangehensweise oft mehr handwerklich orientiert. Also bewarb ich mich bei der „Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch“ in Berlin – und tatsächlich wurde ich genommen. Drei sehr intensive Studienjahre folgten, im vierten durfte ich an der Volksbühne und der Schaubühne in Berlin spielen.

Du bist nach einigen Jahren am Theater seit längerem auch viel im Fernsehen zu sehen. Was motiviert dich, jetzt in deiner alten Heimat Regie zu führen?

L. W.: Bisher stehe ich auf der Bühne und vor der Kamera und muss schlussendlich auf die Anweisung der Regie warten. Nun darf ich diese selbst geben, darf meine Vision von einem Stück teilen und dem Publikum präsentieren. Welche Message ist mir wichtig? Warum erzählen wir diese Geschichte? Das finde ich eine tolle Herausforderung! Dabei weiß ich aus eigener Erfahrung nur zu gut wie wichtig es ist den Darstellerinnen und Darstellern auch ihre Kreativität zu lassen, ein Spagat, den ich schaffen will!

Seit vergangenem Jahr leitest du ja die Kindertheatergruppe von Creme Frech, die „Frechis“. Was möchtest du dem Theater-Nachwuchs vermitteln?

L. W.: Mit der Kindertheatergruppe bieten wir Kindern und Jugendlichen einen geschützten Raum, um sich auf der Bühne auszuprobieren und einfach Spaß zu haben. Vor Publikum aufzutreten ist eine tolle Chance, es stärkt das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in sich selbst. Ich hoffe ihnen nebenbei auch das ein oder andere Schauspielwerkzeug an die Hand zu geben, aber ich lerne auch von den Kindern! Sie sind frei und unbefangen, kreativ und phantasievoll, das ist sehr inspirierend. Außerdem ist es eine große Ehre für mich, in Meggy Schäfers Fußstapfen zu treten und hoffentlich ihre Leidenschaft, ihr Engagement und ihre Herzlichkeit weiterzugeben!

Und warum Schneewittchen als Regiedebüt?

L. W.: Ich mag das Märchen sehr. Allein die drei Farben – weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz – die fand ich immer schon magisch. Außerdem ist es das ideale Stück für die Frechis, die als Zwerge zusammen mit den erfahrenen Darstellerinnen und Darstellern auf der Bühne stehen und zeigen können, was sie gelernt haben. Ich hoffe, dass das Märchen alle anspricht – diejenigen, die auf der Bühne stehen, und alle, die zuschauen. Es wird auf jeden Fall einige Überraschungen geben, die Leute dürfen gespannt sein!

Steckbrief:
geb. 1990 in Wien, aufgewachsen in Grainau, verheiratet, 2 Kinder
ab 1997 bei Creme Frech, später beim Kultursommer Garmisch-Partenkirchen
2011 – 2013: Schauspielschule Cours Florent, Paris
2013 – 2017: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin; Engagements an der Schaubühne und der Volksbühne, Berlin sowie am Theater Magdeburg
seit 2018: Rollen in verschiedenen TV-Filmen und Serien, darunter „Franzi“ in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ (16. Staffel)
2025: Regiedebüt beim Creme-Frech-Weihnachtsmärchen